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Leiter & Material

Litze oder Draht: Unterschied, Einsatz und Verbinden

Dieser Ratgeber zeigt den Unterschied im Detail. Er ordnet beide Bauformen den Leiterklassen nach IEC 60228 zu. Er erklärt, wann Sie welche Variante nehmen. Und er zeigt, wie man Litze fachgerecht verbindet und spleißt.

Feindrähtige Litze und massiver Draht im direkten Vergleich

Das Wichtigste in Kürze

  • Draht ist ein eindrähtiger, starrer Leiter und eignet sich für feste Verlegung.
  • Litze besteht aus vielen dünnen Einzeldrähten und ist flexibel. Sie verträgt Bewegung.
  • Für bewegte Anwendungen, Vibration und Biegewechsel führt an Litze kein Weg vorbei.

Was ist der Unterschied zwischen Litze und Draht?

Draht ist ein massiver Leiter. Er besteht aus einem einzigen Metallstrang, meist aus Kupfer. Litze besteht aus vielen dünnen Einzeldrähten. Diese Drähte sind zu einem Bündel verseilt. Das macht die Litze beweglich.

Der Aufbau bestimmt die Eigenschaften. Draht ist steif und behält seine Form. Das ist bei fester Verlegung ein Vorteil. Litze ist biegsam und federt Bewegung ab. Sie bricht nicht so leicht, wenn sie oft bewegt wird.

MerkmalDrahtLitze
Aufbauein massiver Leiterviele dünne Einzeldrähte
Flexibilitätgering, starrhoch, biegsam
Biegewechselverträgt wenigeverträgt sehr viele
Typischer Einsatzfeste Verlegungbewegte Anwendungen
Anschlussdirekt klemmbaroft mit Aderendhülse

Ein feiner Punkt zum Sprachgebrauch. Ein einzelner massiver Leiter heißt Draht. Ein Bündel aus feinen Drähten heißt Litze. Umgangssprachlich wird Litze auch für das ganze flexible Kabel benutzt. Gemeint ist aber der Leiter im Inneren.

Welche Leiterklassen gibt es nach IEC 60228?

Die Norm IEC 60228 teilt jeden elektrischen Leiter in vier Klassen ein. Grundlage ist der Aufbau des Leiters. Die Klassen 1 und 2 sind für feste Verlegung gedacht. Die Klassen 5 und 6 sind für flexible Kabel gedacht.

KlasseAufbauEigenschaftEinsatz
Klasse 1eindrähtig, massivstarrfeste Verlegung
Klasse 2mehrdrähtig, verseiltstarr im Betriebfeste Verlegung
Klasse 5feindrähtigflexibelbewegte Kabel und Leitungen
Klasse 6sehr feindrähtighochflexibelstark bewegte Anwendungen

Klasse 1 ist der klassische Draht. Ein einziger Leiter, massiv und starr. Klasse 2 ist mehrdrähtig. Mehrere Drähte sind verseilt, der Leiter bleibt aber im Betrieb steif. Beide Klassen finden Sie in der festen Installation.

Klasse 5 und Klasse 6 sind Litze. Klasse 5 hat viele dünne Drähte und ist flexibel. Klasse 6 hat noch mehr und noch dünnere Drähte. Sie ist die flexibelste Bauform. Je feiner die Drähte, desto besser hält der Leiter viele Biegungen aus.

Ein Hinweis zum Widerstand. Eine feindrähtige Litze der Klasse 5 hat bei gleichem Querschnitt einen etwas höheren Widerstand als ein Leiter der Klasse 2. Der Unterschied liegt bei rund vier bis fünf Prozent. Für die Auslegung ist der Querschnitt entscheidend. Wie Sie ihn berechnen, zeigt unser Ratgeber zum Kabelquerschnitt berechnen.

Wann nimmt man Litze und wann Draht?

Die Wahl hängt von der Bewegung ab. Bleibt das Kabel fest an seinem Platz, reicht Draht. Wird das Kabel bewegt, brauchen Sie Litze.

Draht ist die richtige Wahl bei fester Verlegung. Zum Beispiel in der Wand, im Kabelkanal oder in der festen Hausinstallation. Der Leiter liegt einmal und bleibt liegen. Draht ist hier günstig, robust und leicht zu klemmen.

Litze ist die richtige Wahl bei Bewegung. Dazu zählen mehrere Fälle:

Für die meisten konfektionierten Leitungen ist Litze der Standard. Ein Kabelbaum wird verlegt, verbogen und im Betrieb bewegt. Draht würde an den Biegestellen ermüden und brechen. Wie ein Kabelbaum aufgebaut wird, sehen Sie auf unserer Seite zum Kabelbaum.

Warum braucht Litze eine Aderendhülse?

Litze besteht aus vielen feinen Drähten. Diese Drähte spreizen beim Anschluss auf. Einzelne Drähte können abstehen oder abbrechen. In einer Schraubklemme quetscht sich die Litze zusammen. Die Klemmkraft lässt mit der Zeit nach.

Die Aderendhülse löst das Problem. Sie fasst alle Einzeldrähte in einer Metallhülse zusammen. Der Anschluss wird stabil und gasdicht. Kein Draht steht ab. Die Klemme greift sauber. Bei Litze in Klemmen ist die Aderendhülse deshalb Standard.

Draht braucht keine Hülse. Der massive Leiter lässt sich direkt klemmen. Mehr zu Hülsen, Kabelschuhen und der richtigen Verarbeitung finden Sie im Ratgeber zu Kabelschuhen.

Wie verbindet oder spleißt man Litze?

Litze wird auf drei Wegen dauerhaft verbunden. Durch Crimpen, durch Löten und durch Schweißen. Jeder Weg hat seinen Platz. In der professionellen Konfektion ist das Crimpen der Standard.

Crimpen. Beim Crimpen wird ein Kontakt oder Verbinder mechanisch mit der Litze verpresst. Ein Werkzeug verformt die Metallhülse um den Leiter. Es entsteht eine gasdichte Verbindung mit hoher Zugfestigkeit. Das Ergebnis ist reproduzierbar. Es lässt sich prüfen und dokumentieren. Deshalb ist Crimpen in der Serienfertigung die erste Wahl.

Löten. Beim Löten verbindet flüssiges Lot die Drähte. Die Verbindung leitet gut. Sie hat aber eine Schwachstelle. Am Übergang vom starren Lot zur flexiblen Litze entsteht ein steifer Punkt. Genau dort bricht die Litze bei Bewegung leicht. Löten eignet sich für ruhende Verbindungen. Für bewegte Anwendungen ist es kritisch.

Schweißen. Beim Schweißen werden die Drähte stoffschlüssig verbunden. Verbreitet ist das Ultraschallschweißen. Es presst und verschweißt die Litzen ohne Zusatzstoff. Das ergibt eine sehr feste und gut leitende Verbindung. Schweißen lohnt sich in der Großserie und bei besonderen Anforderungen.

Ein Wort zum Begriff Spleißen. Spleißen meint das Verbinden zweier Leiter zu einem durchgehenden Strang. Bei Litze geschieht das meist durch Crimpen mit einem Stoßverbinder oder durch Schweißen. Wir spleißen und verbinden Litzen nach klarer Vorgabe und prüfen jede Verbindung.

Warum bevorzugen wir das Crimpen? Es ist schnell, sicher und prüfbar. Die Qualität hängt am Werkzeug und an der Einstellung, nicht am Geschick der einzelnen Person. So bleibt jede Verbindung in der Serie gleich gut.


Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Litze und Draht?
Draht ist ein einziger massiver Leiter und starr. Litze besteht aus vielen dünnen Einzeldrähten und ist flexibel. Draht eignet sich für feste Verlegung. Litze eignet sich für bewegte Anwendungen.
Welche Leiterklasse ist Litze?
Litze entspricht den Klassen 5 und 6 nach IEC 60228. Klasse 5 ist feindrähtig und flexibel. Klasse 6 ist sehr feindrähtig und hochflexibel. Die Klassen 1 und 2 sind starre Leiter für feste Verlegung.
Warum braucht Litze eine Aderendhülse?
Litze spreizt in einer Klemme auf und einzelne Drähte können abstehen. Die Aderendhülse fasst alle Drähte zusammen und sorgt für einen stabilen, gasdichten Anschluss. Draht braucht keine Hülse.
Wie spleißt man Litze am besten?
In der professionellen Konfektion durch Crimpen mit einem Verbinder. Die Verbindung ist gasdicht, zugfest und prüfbar. Löten wird an bewegten Stellen leicht zur Bruchstelle. Schweißen lohnt sich in der Großserie.
Kann man Litze und Draht verbinden?
Ja. Am sichersten mit einem Crimpverbinder, der für beide Leiterarten passt. So entsteht eine feste und dauerhafte Verbindung. Auf lötende Verbindungen sollte man bei Bewegung verzichten.

Warum die richtige Leiterwahl in der Konfektion zählt

Litze oder Draht ist keine Nebensache. Die falsche Wahl führt zu Kabelbruch, Ausfall oder Nacharbeit. Ein starrer Draht in einer bewegten Leitung ermüdet und bricht. Eine ungeschützte Litze in einer Klemme löst sich mit der Zeit. Beides kostet Geld und Vertrauen.

In unserer täglichen Fertigung in Lambach sehen wir immer wieder, wie oft ein gebrochener Leiter auf die falsche Bauform in einer bewegten Leitung zurückgeht. Wir wählen den passenden Leiter für Ihren Einsatz. Wir konfektionieren mit der richtigen Leiterklasse, der passenden Aderendhülse und geprüften Crimpverbindungen. Jede Verbindung wird geprüft und dokumentiert.

Brauchen Sie konfektionierte Leitungen mit sauberen Verbindungen, sehen Sie sich unsere Kabelkonfektion an. Für komplette Einheiten mit Montage passt die Gerätemontage oder die Baugruppenfertigung.

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Thomas Wakolbinger

Thomas Wakolbinger

Geschäftsführer · WATEK Cable GmbH

Thomas Wakolbinger führt die WATEK Cable GmbH in Lambach (Oberösterreich). Mit Hintergrund in der Automatisierungstechnik verantwortet er die Fertigung von Kabelkonfektionen, Gerätemontagen und elektrischen Baugruppen: vom Einzelstück bis zur Serie.

Mehr über uns
Quellen und Normen
  1. IEC 60228, Leiter für Kabel und isolierte Leitungen, Leiterklassen 1, 2, 5 und 6
  2. DIN VDE 0295, deutsche Fassung von IEC 60228 zu Leiterklassen
  3. DIN EN 60228 (VDE 0295), Leiter isolierter Leitungen
  4. ÖVE/ÖNORM E 8001, Errichtung elektrischer Anlagen in Österreich
  5. Litze, Wikipedia
  6. Elektrischer Leiter, Wikipedia
  7. Aderendhülse, Wikipedia

Fachliche Verantwortung: Thomas Wakolbinger, Geschäftsführer WATEK Cable GmbH. Dieser Beitrag ersetzt keine Elektrofachkraft. Arbeiten an elektrischen Anlagen sind der Fachkraft vorbehalten.