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Leiter & Material

Kabelquerschnitt: Tabelle und Berechnung

Die Tabelle unten zeigt, wie viel Strom ein Querschnitt dauerhaft führen darf, aufgeschlüsselt nach Verlegeart. Darunter steht die Umrechnung von Querschnitt in Durchmesser. Wer eine lange Leitung auslegt, kommt mit der Tabelle allein nicht aus, dann entscheidet der Spannungsfall. Die Formel dafür und ein durchgerechnetes Beispiel stehen weiter unten.

Kabelquerschnitte verschiedener Stärken nebeneinander

Das Wichtigste in Kürze

  • →Der Querschnitt ergibt sich aus zwei Bedingungen: die Leitung muss den Strom dauerhaft tragen, und der Spannungsfall über die Länge muss im erlaubten Rahmen bleiben.
  • →Sie berechnen beide Werte getrennt und wählen den größeren Querschnitt.
  • →So bleibt die Leitung sicher, und die Spannung am Ende reicht aus.

Kabelquerschnitt-Tabelle: Strombelastbarkeit auf einen Blick

Die Tabelle zeigt, wie viel Strom eine Kupferleitung dauerhaft führen darf. Maßgeblich sind Querschnitt und Verlegeart. Die Werte gelten für PVC-isolierte Leitungen mit zwei belasteten Adern bei 25 Grad Umgebungstemperatur nach DIN VDE 0298-4, ohne Häufung. Das ist der Regelfall im Wechselstromkreis mit 230 Volt. Für Drehstrom mit drei belasteten Adern steht die Tabelle weiter unten.

QuerschnittA1B1B2E
1,5 mm²16,5 A18,5 A17,5 A23 A
2,5 mm²21 A25 A24 A32 A
4 mm²28 A34 A32 A42 A
6 mm²36 A43 A40 A54 A
10 mm²49 A60 A55 A74 A
16 mm²65 A81 A73 A100 A
25 mm²85 A107 A95 A126 A

Was die Buchstaben bedeuten:

Frei verlegte Leitungen kühlen besser und dürfen deutlich mehr Strom führen. Bei 2,5 mm² sind es 32 statt 21 Ampere, also rund die Hälfte mehr.

Diese Tabelle ist die Obergrenze, nicht die Antwort. Bei langen Leitungen entscheidet nicht die Erwärmung, sondern der Spannungsfall. Dann ist der nötige Querschnitt größer als die Tabelle nahelegt. Wie das gerechnet wird, steht weiter unten.

Querschnitt und Durchmesser im Vergleich

Der Querschnitt wird in mm² angegeben, gemessen wird oft der Durchmesser in mm. Für einen runden Volldraht rechnet man ineinander um mit:

d = 2 · √(A / π)
Querschnittrechnerischer Leiterdurchmesser
0,5 mm²0,80 mm
0,75 mm²0,98 mm
1,0 mm²1,13 mm
1,5 mm²1,38 mm
2,5 mm²1,78 mm
4 mm²2,26 mm
6 mm²2,76 mm
10 mm²3,57 mm
16 mm²4,51 mm
25 mm²5,64 mm
35 mm²6,68 mm
50 mm²7,98 mm

Zwei Einschränkungen, die in der Praxis oft übersehen werden.

Bei Litze stimmt der gemessene Durchmesser nicht. Eine feindrähtige Litze besteht aus vielen Einzeldrähten mit Luft dazwischen. Ihr Außendurchmesser ist größer als die Formel ergibt, ihr Querschnitt bleibt derselbe. Wer bei Litze nachmisst und zurückrechnet, kommt auf einen zu großen Wert. Mehr dazu im Ratgeber Litze oder Draht.

Der Kabeldurchmesser ist etwas anderes als der Leiterdurchmesser. Was außen am Mantel gemessen wird, umfasst Isolierung, Füllmaterial und Mantel. Dieser Wert lässt sich nicht aus dem Querschnitt berechnen, er steht im Datenblatt des Herstellers.

Für Nordamerika gilt statt mm² die AWG-Skala. Die Umrechnung steht in der AWG-Tabelle.

Was bestimmt den nötigen Kabelquerschnitt?

Fünf Größen entscheiden. Der Betriebsstrom, die Leitungslänge, der erlaubte Spannungsfall, die Verlegeart und die Umgebungstemperatur.

GrößeWirkung
Betriebsstrom IMehr Strom braucht mehr Querschnitt.
Leitungslänge LLange Leitungen erhöhen den Spannungsfall.
Spannungsfall UdEin enges Limit zwingt zu größerem Querschnitt.
VerlegeartFreie Verlegung kühlt besser als ein Rohr in der Wand.
UmgebungstemperaturHöhere Temperatur senkt die Belastbarkeit.

Der Betriebsstrom und die Verlegeart bestimmen die Strombelastbarkeit. Die Länge und das Spannungsfall-Limit bestimmen den Querschnitt nach Spannungsfall. Sie müssen beide Wege gehen.

Wie berechnet man den Querschnitt nach Spannungsfall?

Sie stellen die Spannungsfall-Formel nach dem Querschnitt um. Für Wechselstrom im Einphasennetz gilt:

A = (2 · L · I · cos φ) / (γ · Ud)

Für Drehstrom ersetzt der Faktor Wurzel 3 die Zahl 2:

A = (√3 · L · I · cos φ) / (γ · Ud)

Die Zeichen bedeuten:

ZeichenBedeutungEinheit
ALeiterquerschnittmm²
Leinfache Leitungslängem
IBetriebsstromA
cos φLeistungsfaktorohne
γLeitfähigkeitm/(Ω·mm²)
Udzulässiger SpannungsfallV

Für Kupfer rechnen Sie in der Praxis mit γ gleich 56 m/(Ω·mm²). Für Aluminium gilt γ gleich 35 m/(Ω·mm²). Der Grund für den Faktor 2 beim Einphasennetz ist der Hin- und Rückweg des Stroms. Bei Drehstrom fließt der Rückstrom anders, deshalb steht dort Wurzel 3.

Wie viel Spannungsfall ist erlaubt?

Ein üblicher Richtwert für Endstromkreise sind 3 Prozent der Nennspannung. Bei 230 Volt sind das rund 6,9 Volt. Bei 400 Volt sind es 12 Volt. Der Richtwert stammt aus der Planungspraxis nach DIN 18015-1. Die maßgebliche Grenze legt immer die geltende Norm und die konkrete Anlage fest.

Kabelquerschnitt bei 230 Volt

Im Hausnetz und in ortsfesten Anlagen mit 230 Volt sind zwei Querschnitte der Regelfall: 1,5 mm² für Beleuchtung und Steckdosenkreise mit 10 oder 13 Ampere Absicherung, 2,5 mm² für stärker belastete Steckdosenkreise mit 16 Ampere.

Ausschlaggebend ist nicht die Spannung selbst, sondern die Kombination aus Absicherung, Verlegeart und Länge. Bei 230 Volt und einem zulässigen Spannungsfall von 3 Prozent stehen rund 6,9 Volt zur Verfügung. Das ist genug Reserve, dass bei üblichen Leitungslängen im Gebäude die Strombelastbarkeit die Grenze setzt und nicht der Spannungsfall.

Das kippt bei langen Wegen. Ab etwa 30 Metern lohnt die Rechnung, ab 50 Metern ist sie Pflicht.

Kabelquerschnitt bei 12 und 24 Volt

Bei Kleinspannung dreht sich das Verhältnis um. Der Spannungsfall wird zum bestimmenden Faktor, nicht die Erwärmung.

Der Grund ist einfach. Drei Prozent Spannungsfall sind bei 230 Volt rund 6,9 Volt. Bei 24 Volt sind es 0,72 Volt, bei 12 Volt nur noch 0,36 Volt. Derselbe absolute Verlust, der bei 230 Volt nicht auffällt, macht bei 12 Volt den Verbraucher unbrauchbar.

Dazu kommt: Bei gleicher Leistung fließt bei 12 Volt rund der zwanzigfache Strom wie bei 230 Volt. Höherer Strom bei kleinerem Spannungsbudget bedeutet deutlich größere Querschnitte, oft um zwei bis drei Normstufen über dem, was die Strombelastbarkeitstabelle nahelegt.

In Bordnetzen von Land- und Nutzfahrzeugen ist das der Normalfall. Wir legen Leitungen dort nach der Rechnung aus, nicht nach der Tabelle.

Rechenbeispiel: 230 Volt, 16 Ampere, 30 Meter

Ein Verbraucher zieht 16 Ampere. Die Leitung ist 30 Meter lang. Das Netz ist einphasig mit 230 Volt. Der Leistungsfaktor ist 1. Erlaubt sind 3 Prozent Spannungsfall, also 6,9 Volt. Das Material ist Kupfer.

A = (2 · 30 · 16 · 1) / (56 · 6,9)
A = 960 / 386,4
A = 2,49 mm²

Der rechnerische Wert ist 2,49 mm². Sie runden auf den nächsten genormten Querschnitt auf. Das ist 2,5 mm². Jetzt prüfen Sie die zweite Bedingung. Trägt 2,5 mm² auch 16 Ampere? Nach der Tabelle oben liegt die Belastbarkeit bei zwei belasteten Adern je nach Verlegeart bei 21 bis 32 Ampere. Der Querschnitt reicht also für beide Bedingungen.

Welche Kabelquerschnitte sind genormt?

Querschnitte gibt es nur in festen Stufen. Sie wählen immer die nächste Stufe über dem berechneten Wert. Werte wie 3 mm² oder 8 mm² gibt es nicht.

Genormte Querschnitte in mm²
0,5 · 0,75 · 1,0 · 1,5 · 2,5 · 4 · 6 · 10 · 16 · 25 · 35 · 50 · 70 · 95 · 120

In der Hausinstallation sind 1,5 mm² und 2,5 mm² am häufigsten. 1,5 mm² dient meist der Beleuchtung. 2,5 mm² deckt die Steckdosenkreise ab. Größere Querschnitte kommen bei Herd, Wärmepumpe oder Zuleitungen zum Einsatz.

Strombelastbarkeit nach Querschnitt und Verlegeart

Die zweite Bedingung ist die Strombelastbarkeit. Sie hängt vom Querschnitt und von der Verlegeart ab. Grundlage ist DIN VDE 0298-4 vom VDE. Die folgenden Werte gelten für Kupferleitungen mit PVC-Isolierung und drei belasteten Adern, also für Drehstrom. Die Bezugstemperatur ist 25 Grad in Luft, die Leitertemperatur 70 Grad. Die Werte liegen durchgehend unter denen der Tabelle oben, weil drei stromführende Adern im selben Kabel mehr Wärme erzeugen als zwei.

QuerschnittA1B1B2E
1,5 mm²14,5 A16,5 A16 A19,5 A
2,5 mm²19 A22 A21 A27 A
4 mm²25 A30 A29 A36 A
6 mm²33 A38 A36 A46 A
10 mm²45 A53 A50 A64 A
16 mm²59 A72 A66 A85 A
25 mm²77 A94 A85 A107 A

Die Verlegearten stehen für die Wärmeabfuhr:

Der Unterschied ist groß. Dieselbe Ader trägt frei in Luft mehr Strom als im Rohr in der Wand. Bei 10 mm² in Verlegeart B2 gilt der Wert nicht für die Verlegung auf einer Holzwand, dort ist eine Stufe niedriger abzusichern. Bei mehreren Kabeln nebeneinander oder höherer Umgebungstemperatur müssen Sie zusätzlich Korrekturfaktoren nach VDE 0298-4 ansetzen. Diese senken die Werte aus der Tabelle. Für Erdverlegung und andere Bezugsbedingungen gelten eigene Tabellen der Norm.

Wozu dient ein Kabelrechner?

Ein Kabelrechner automatisiert genau diese zwei Prüfungen. Sie geben Strom, Länge, Spannung, cos φ und Verlegeart ein. Das Werkzeug rechnet den Querschnitt nach Spannungsfall und gleicht ihn mit der Strombelastbarkeit ab. Das spart Zeit und vermeidet Rechenfehler.

Der Rechner ersetzt aber nicht das Fachwissen. Sie müssen die Eingaben verstehen und das Ergebnis einordnen. Deshalb lohnt es sich, die Methode selbst zu kennen. Verwandte Grundlagen finden Sie im Ratgeber zur AWG-Tabelle und im Beitrag zum Kabel-Farbcode.


Häufige Fragen

Wie berechnet man den Kabelquerschnitt?
Sie prüfen zwei Bedingungen. Zuerst rechnen Sie den Querschnitt nach Spannungsfall mit A gleich 2 mal L mal I mal cos φ geteilt durch γ mal Ud. Dann prüfen Sie die Strombelastbarkeit nach VDE 0298-4. Der größere Wert entscheidet.
Welcher Querschnitt für 16 Ampere?
Für 16 Ampere reicht bei kurzer Leitung oft 1,5 mm². Bei längeren Wegen oder engem Spannungsfall-Limit sind 2,5 mm² nötig. Steckdosenkreise werden in der Regel mit 2,5 mm² ausgeführt.
Welche Leitfähigkeit gilt für Kupfer?
In der Praxis rechnen Sie mit γ gleich 56 m pro Ohm mal mm². Dieser Wert berücksichtigt die Betriebstemperatur. Für Aluminium gilt etwa γ gleich 35.
Wie viel Spannungsfall ist zulässig?
Ein üblicher Richtwert für Endstromkreise sind 3 Prozent der Nennspannung. Bei 230 Volt sind das rund 6,9 Volt. Die verbindliche Grenze legt die geltende Norm fest.
Ersetzt ein Kabelrechner die Elektrofachkraft?
Nein. Ein Kabelrechner liefert einen Richtwert. Die Auslegung und der Anschluss einer Anlage gehören in die Hand einer Elektrofachkraft nach der gültigen Norm.
Welcher Querschnitt für wie viel Kilowatt?
Erst von Leistung auf Strom umrechnen, dann in die Tabelle sehen. Bei Wechselstrom gilt I = P / (U · cos φ), bei Drehstrom I = P / (√3 · U · cos φ). Ein Verbraucher mit 3,5 kW an 230 Volt und cos φ = 1 zieht rund 15 Ampere. Erst dieser Wert führt in die Tabelle, die Kilowattzahl allein sagt nichts über den Querschnitt.
Welchen Durchmesser hat 1,5 mm²?
Als runder Volldraht rund 1,38 mm. Bei feindrähtiger Litze ist der Außendurchmesser größer, der Querschnitt bleibt gleich.
Warum braucht man bei 12 Volt so dicke Kabel?
Weil das Spannungsbudget klein ist. Drei Prozent sind bei 12 Volt nur 0,36 Volt, bei 230 Volt sind es 6,9. Zusätzlich fließt bei gleicher Leistung viel mehr Strom.
Was bedeuten A1, B1, B2 und E in der Tabelle?
Es sind Verlegearten. A1 im Rohr in gedämmter Wand, B1 im Rohr auf der Wand, B2 mehradrig im Rohr auf der Wand, E frei in Luft. Je besser die Leitung Wärme abgeben kann, desto mehr Strom darf sie führen.

Warum die richtige Querschnittsauslegung bei WATEK zählt

In der Kabelkonfektion ist der Querschnitt eine harte Vorgabe. Eine zu dünne Ader wird warm und fällt aus. Eine zu dicke Ader kostet Geld und Platz. In unserer Fertigung wählen wir den Querschnitt nach Ihrer Anwendung und prüfen ihn vor der Serie. Wir setzen den Querschnitt aus Ihrer Spezifikation um und beraten bei der Auswahl der Leitung.

Brauchen Sie konfektionierte Leitungen mit dem passenden Querschnitt, sehen Sie sich unsere Kabelkonfektion an. Für komplette Verbindungen passt der Kabelbaum. Den Querschnitt setzen wir auch in der Gerätemontage und in der Baugruppenfertigung um. Schicken Sie uns Ihre Anforderung. Wir prüfen sie und melden uns mit einem Vorschlag.

Individuelle Kabelkonfektion gefragt?

Schicken Sie uns Zeichnung, Muster oder Stückzahl. Wir prüfen Ihre Anforderung und melden uns mit einem Vorschlag.

Thomas Wakolbinger

Thomas Wakolbinger

Geschäftsführer · WATEK Cable GmbH

Thomas Wakolbinger führt die WATEK Cable GmbH in Lambach (Oberösterreich). Mit Hintergrund in der Automatisierungstechnik verantwortet er die Fertigung von Kabelkonfektionen, Gerätemontagen und elektrischen Baugruppen: vom Einzelstück bis zur Serie.

Mehr über uns
Quellen und Normen
  1. DIN VDE 0298-4, Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen
  2. DIN VDE 0100-520, Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel, Kabel- und Leitungsanlagen
  3. ÖVE/ÖNORM E 8001-1, Errichtung elektrischer Anlagen in Österreich
  4. DIN 18015-1, Planung von elektrischen Anlagen in Wohngebäuden
  5. IEC 60228, Leiter für Kabel und isolierte Leitungen

Fachliche Verantwortung: Thomas Wakolbinger, Geschäftsführer WATEK Cable GmbH. Dieser Beitrag ersetzt keine Elektrofachkraft. Die Auslegung und der Anschluss elektrischer Anlagen sind der Fachkraft nach der geltenden Norm vorbehalten.