WATEK CableAnfrage senden

Verbindungstechnik

Kabelschuhe und Aderendhülsen: Typen und Verpressung

Dieser Ratgeber zeigt die wichtigsten Typen. Er erklärt den Unterschied zwischen isoliert und unisoliert, den Farbcode nach Querschnitt und die drei Verbindungsarten Crimpen, Schrauben und Löten. Am Ende steht, wie Sie eine gute Verpressung erkennen.

Verschiedene Kabelschuhe und Aderendhülsen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Kabelschuh ist ein Metallverbinder am Leiterende für eine sichere, lösbare Verbindung zu Schraube, Bolzen oder Stecker.
  • Die häufigsten Bauformen sind Ring, Gabel, Stift und Rohr, dazu die Aderendhülse für feindrähtige Litze im Klemmkontakt.
  • In der Konfektion werden fast alle Kabelschuhe und Aderendhülsen gecrimpt, nicht geschraubt oder gelötet.

Was ist ein Kabelschuh?

Ein Kabelschuh verbindet einen Leiter mit einem Anschlusspunkt. Er besteht aus einem Anschlussteil und einer Hülse für den Leiter. Das Anschlussteil wird verschraubt oder aufgesteckt. In die Hülse kommt der abisolierte Leiter. Danach wird die Hülse verpresst.

Der Sinn ist einfach. Ein blanker Litzenleiter lässt sich schlecht direkt unter eine Schraube klemmen. Einzelne Drähte spreizen auf. Der Kontakt wird unsicher. Der Kabelschuh fasst alle Drähte zusammen und gibt eine feste, definierte Kontaktfläche.

Welche Kabelschuh-Typen gibt es?

Die Bauform richtet sich nach dem Anschlusspunkt. Ein Bolzen braucht eine andere Form als ein Flachstecker. Diese Typen sind in der Konfektion üblich.

TypFormAnschluss
Ringkabelschuhgeschlossenes AugeSchraube oder Bolzen, sehr sicher
Gabelkabelschuhoffene GabelSchraube, ohne Lösen aufsteckbar
Stiftkabelschuhgerader StiftKlemmen und Steckkontakte
Flachsteckerflache ZungeSteckverbindung, oft im Fahrzeug
Rohrkabelschuhmassives Rohraugegroße Querschnitte an Bolzen

Der Ringkabelschuh ist die sicherste Variante. Das geschlossene Auge kann nicht von der Schraube rutschen. Der Gabelkabelschuh ist schneller zu montieren. Er lässt sich unter eine leicht gelöste Schraube schieben. Dafür sitzt er weniger sicher.

Der Rohrkabelschuh trägt große Ströme. Er wird für Querschnitte ab etwa 6 mm² bis über 1000 mm² eingesetzt. Presskabelschuhe nach DIN 46235 gehören zu dieser Gruppe.

Wann nimmt man eine Aderendhülse statt eines Kabelschuhs?

Die Aderendhülse ist kein Kabelschuh im engeren Sinn. Sie hat kein Anschlussauge. Sie ist eine dünne Metallhülse, die auf das Ende einer feindrähtigen Litze gepresst wird. Danach geht das Ende in eine Schraub- oder Federklemme.

Die Regel ist klar. Eine Litze in einer Klemme braucht eine Aderendhülse. Ohne Hülse würden einzelne Drähte abstehen und den Kontakt verschlechtern. Ein starrer Massivdraht braucht dagegen keine Hülse. Mehr zum Unterschied steht im Ratgeber Litze oder Draht.

Aderendhülsen gibt es unisoliert nach DIN 46228-1 und isoliert mit Kunststoffkragen nach DIN 46228-4. Der Kragen erleichtert das Einführen und schützt vor Aufspreizen.

Isoliert oder unisoliert: Was bedeuten die Kabelschuh-Farben?

Unisolierte Kabelschuhe sind blankes Metall. Sie brauchen nach dem Crimpen einen Schrumpfschlauch oder eine Abdeckung, wenn Berührungsschutz nötig ist. Dazu passt der Ratgeber Schrumpfschlauch.

Isolierte Kabelschuhe haben eine Kunststoffhülse über dem Crimpbereich. Diese Hülse ist zugleich ein Code. Die Farbe zeigt den passenden Leiterquerschnitt. So greift der Monteur ohne Nachmessen zum richtigen Teil. Der gängige Farbcode für isolierte Kabelschuhe ist international einheitlich.

FarbeLeiterquerschnitt
Rot0,5 bis 1,5 mm²
Blau1,5 bis 2,5 mm²
Gelb4 bis 6 mm²

Ein Hinweis zur Aderendhülse. Ihr Farbcode folgt einer anderen Logik und ist nicht weltweit gleich. Es gibt einen französischen und einen deutschen Code, die sich unterscheiden. Bei Hülsen sollten Sie sich deshalb nie allein auf die Farbe verlassen. Prüfen Sie den aufgedruckten Querschnitt.

Crimpen, schrauben oder löten: was ist richtig?

Es gibt drei Wege, den Leiter mit dem Kabelschuh zu verbinden. In der Serienkonfektion ist einer davon Standard.

Crimpen ist die kalte Verpressung. Das Werkzeug drückt die Hülse mit hohem Druck auf den Leiter. Metall verbindet sich mit Metall. Das Ergebnis ist eine gasdichte Verbindung mit gleichbleibender Qualität. Crimpen ist schnell, reproduzierbar und normkonform. Deshalb ist es in der Konfektion die erste Wahl.

Löten verbindet über flüssiges Lot. Es klingt solide, hat aber einen Nachteil. Am Übergang vom starren gelöteten Bereich zur flexiblen Litze entsteht eine Bruchstelle. Bei Vibration kann der Leiter dort brechen. In der Anschlusstechnik ist Löten deshalb meist nicht zugelassen.

Schrauben meint das direkte Klemmen unter einer Schraube. Das ist nur eine Notlösung für einzelne Anschlüsse. Für viele gleiche Verbindungen ist es zu langsam und nicht sicher genug.

Für die professionelle Serienfertigung bleibt das Crimpen. Es ist die einzige Methode, die bei jedem Stück dasselbe Ergebnis liefert.

Welche Crimpzange und welches Gesenk braucht man?

Werkzeug und Kabelschuh müssen zusammenpassen. Das ist keine Empfehlung, sondern Bedingung für eine haltbare Verbindung.

Wichtig sind drei Punkte. Erstens muss das Gesenk zur Bauform passen. Isolierte Kabelschuhe, unisolierte Kabelschuhe und Aderendhülsen brauchen jeweils eine andere Gesenkform. Zweitens muss die Gesenkgröße zum Querschnitt passen. Eine zu große Öffnung presst zu schwach. Eine zu kleine beschädigt den Leiter. Drittens sollte die Zange eine Zwangssperre haben. Sie gibt erst frei, wenn der volle Pressweg erreicht ist. Das verhindert lose Crimps.

Für kleine Serien reichen Handzangen mit Wechselgesenk. Bei großen Stückzahlen und großen Querschnitten arbeiten wir mit hydraulischen oder pneumatischen Pressen. Die Presskraft ist dort eingestellt und wiederholbar.

Wie erkennt man eine gute Verpressung?

Ein Crimp ist eine sicherheitsrelevante Verbindung. Zwei Kriterien zeigen, ob er gut ist.

Das erste ist die Presshöhe. Das ist die Höhe des verpressten Bereichs. Sie ist im Datenblatt vorgegeben. Ist die Presshöhe zu groß, war der Druck zu klein und der Kontakt sitzt lose. Ist sie zu klein, ist der Leiter gequetscht und geschwächt. Die Presshöhe wird mit einem Messschieber oder einem Mikrometer geprüft.

Das zweite ist die Zugfestigkeit. Ein guter Crimp hält eine definierte Auszugskraft aus, ohne dass sich der Leiter löst. Die Mindestwerte hängen vom Querschnitt ab und stehen in der Norm. In der Serie prüfen wir das mit einem Zugtest an Stichproben.

Sichtbar sind noch zwei Dinge. Der Leiter sollte an der Kontrollöffnung leicht herausschauen. Und es dürfen keine einzelnen Drähte aus der Hülse abstehen. Beides ist ein einfacher Sichtcheck vor dem Zugtest.


Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kabelschuh und Aderendhülse?
Ein Kabelschuh hat ein Anschlussauge oder eine Zunge für Schraube, Bolzen oder Stecker. Eine Aderendhülse hat kein Auge. Sie schützt nur das Ende einer Litze für die Klemme.
Welche Farbe hat welcher Kabelschuh?
Bei isolierten Kabelschuhen steht Rot für 0,5 bis 1,5 mm², Blau für 1,5 bis 2,5 mm² und Gelb für 4 bis 6 mm². Die Farbe zeigt den passenden Leiterquerschnitt.
Kann man Kabelschuhe löten statt crimpen?
In der Anschlusstechnik ist Löten meist nicht zulässig. Am Übergang zur flexiblen Litze entsteht eine Bruchstelle. Crimpen ist der Standard.
Welche Norm gilt für Kabelschuhe?
Quetschkabelschuhe sind in DIN 46234 geregelt, Presskabelschuhe in DIN 46235. Aderendhülsen sind in DIN 46228 genormt.
Wie erkenne ich einen guten Crimp?
Über die richtige Presshöhe und die geforderte Zugfestigkeit. Kein einzelner Draht darf abstehen. Beides prüfen wir mit Messschieber und Zugtest.

Warum die richtige Verpressung bei WATEK zählt

Der Kabelschuh ist oft das Bauteil, das zuerst versagt. Ein loser Crimp erwärmt sich, ein zu harter schwächt den Leiter. Beides fällt erst im Betrieb auf. Deshalb ist die Auswahl des richtigen Typs und die geprüfte Verpressung Teil unserer Arbeit, nicht ein Detail am Rand.

Wir konfektionieren nach Norm und nach Ihrer Vorgabe. In unserer Fertigung prüfen wir jede Verpressung auf Presshöhe und festen Sitz. Jeder Crimp entsteht mit dem passenden Werkzeug und wird geprüft. Für einzelne Leitungen sehen Sie sich die Kabelkonfektion an. Für ganze Kabelbäume passt der Kabelbaum. Verpresste Leiter bauen wir auch direkt in die Gerätemontage und in die Baugruppenfertigung ein. Sagen Sie uns Typ, Querschnitt und Stückzahl, dann melden wir uns mit einem Vorschlag.

Individuelle Kabelkonfektion gefragt?

Schicken Sie uns Zeichnung, Muster oder Stückzahl. Wir prüfen Ihre Anforderung und melden uns mit einem Vorschlag.

Thomas Wakolbinger

Thomas Wakolbinger

Geschäftsführer · WATEK Cable GmbH

Thomas Wakolbinger führt die WATEK Cable GmbH in Lambach (Oberösterreich). Mit Hintergrund in der Automatisierungstechnik verantwortet er die Fertigung von Kabelkonfektionen, Gerätemontagen und elektrischen Baugruppen: vom Einzelstück bis zur Serie.

Mehr über uns
Quellen und Normen
  1. DIN 46234, Kabelschuhe für Crimpanschluss, Quetschkabelschuhe
  2. DIN 46235, Presskabelschuhe für Anschluss durch Pressen
  3. DIN 46237, isolierte Kabelschuhe und Verbinder
  4. DIN 46228-1, Aderendhülsen ohne Isolierkragen
  5. DIN 46228-4, Aderendhülsen mit Isolierkragen
  6. Kabelschuh, Wikipedia
  7. Aderendhülse, Wikipedia
  8. Crimpen, Wikipedia

Fachliche Verantwortung: Thomas Wakolbinger, Geschäftsführer WATEK Cable GmbH. Dieser Beitrag ersetzt keine fachliche Prüfung im Einzelfall. Für die Auslegung sicherheitsrelevanter Verbindungen ziehen Sie eine Fachkraft hinzu.