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Schutz & Gehäuse

IP-Schutzarten erklärt: von IP54 bis IP68

Dieser Ratgeber erklärt den IP-Code nach EN und IEC 60529. Er zeigt beide Ziffern in vollständigen Tabellen. Danach klärt er die häufigen Klassen IP54, IP65, IP67 und IP68 im Detail und den Unterschied zwischen IP67 und IP68.

Gehäuse mit IP-Schutzart-Kennzeichnung gegen Staub und Wasser

Das Wichtigste in Kürze

  • →Die IP-Schutzart beschreibt, wie gut ein Gehäuse gegen Fremdkörper und Wasser geschützt ist. Der Code besteht aus IP und zwei Ziffern.
  • →Die erste Ziffer (0–6) steht für den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung.
  • →Die zweite Ziffer (0–9K) steht für den Schutz gegen Wasser.
  • →Je höher die Ziffer, desto besser der Schutz.

Was bedeutet der IP-Code nach EN/IEC 60529?

IP steht für Ingress Protection, also Schutz gegen Eindringen. Die Grundlage ist die internationale Norm IEC 60529. In Europa gilt sie als EN 60529. Die Norm legt fest, wie Gehäuse gegen das Eindringen von festen Fremdkörpern und Wasser geschützt sind. Der Code hat immer die Form IP plus zwei Kennziffern, zum Beispiel IP65. Eine allgemeine Übersicht zur Schutzart bietet auch die Wikipedia.

Die erste Ziffer reicht von 0 bis 6. Sie beschreibt zwei Dinge zugleich. Den Schutz von Personen gegen den Zugang zu gefährlichen Teilen und den Schutz des Geräts gegen feste Fremdkörper. Die zweite Ziffer reicht von 0 bis 9. Sie beschreibt den Schutz gegen Wasser. Ist eine Kennziffer nicht festgelegt, steht dafür ein X. IP5X bedeutet also, dass nur der Fremdkörperschutz geprüft wurde.

Die Norm gilt in jedem Land in einer nationalen Fassung. In Deutschland gibt der VDE die DIN EN 60529 als VDE 0470-1 heraus. In Österreich ist der ÖVE als nationale Normungsorganisation für die Elektrotechnik zuständig. Der Inhalt des IP-Codes bleibt in allen Fassungen gleich.

Was sagt die erste Ziffer aus?

Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen feste Fremdkörper und gegen Berührung. Sie reicht von keinem Schutz bis zur vollständigen Dichtheit gegen Staub.

ZifferSchutz gegen FremdkörperSchutz gegen Berührung
0Kein SchutzKein Schutz
1Fremdkörper ab 50 mmHandrücken
2Fremdkörper ab 12,5 mmFinger
3Fremdkörper ab 2,5 mmWerkzeug, dicke Drähte
4Fremdkörper ab 1 mmDraht
5StaubgeschütztVollständiger Schutz
6StaubdichtVollständiger Schutz

Der Unterschied zwischen 5 und 6 ist wichtig. Bei 5 darf Staub eindringen, aber nicht in schädlicher Menge. Bei 6 ist das Gehäuse staubdicht. Es dringt kein Staub ein.

Was sagt die zweite Ziffer aus?

Die zweite Ziffer beschreibt den Schutz gegen Wasser. Sie reicht von keinem Schutz bis zu Hochdruck mit heißem Wasser.

ZifferSchutz gegen Wasser
0Kein Schutz
1Senkrecht fallendes Tropfwasser
2Tropfwasser bei bis zu 15 Grad Neigung
3Sprühwasser bis 60 Grad zur Senkrechten
4Spritzwasser aus allen Richtungen
5Strahlwasser aus einer Düse mit 6,3 mm
6Starkes Strahlwasser aus einer Düse mit 12,5 mm
7Zeitweiliges Untertauchen bis 1 m für 30 Minuten
8Dauerndes Untertauchen nach Herstellerangabe
9KHochdruck- und Dampfstrahl, heißes Wasser bei 80 Grad

Die Stufe 9K stammt aus der Fahrzeugtechnik nach ISO 20653. Sie prüft die Reinigung mit Hochdruck und heißem Wasser. Diese Stufe wird oft als IPX9K angegeben, wenn die erste Ziffer nicht festgelegt ist.

Was bedeuten IP54, IP65, IP67 und IP68 im Detail?

Diese vier Klassen decken die meisten Anwendungen in der Praxis ab. Sie stehen für steigende Anforderungen. Die folgende Übersicht ordnet sie ein, danach folgt jede Klasse einzeln.

SchutzartSchutz gegen StaubSchutz gegen WasserTypischer Einsatz
IP20Fremdkörper ab 12,5 mmkein WasserschutzSchaltschrank im Innenraum
IP44Fremdkörper ab 1 mmSpritzwasserFeuchtraum, überdachter Außenbereich
IP54staubgeschütztSpritzwasserInnenraum, geschützter Außenbereich
IP65staubdichtStrahlwasserAußenanlagen, Industrieumgebung
IP67staubdichtzeitweiliges Untertauchenkurzzeitig überflutbare Einbauten
IP68staubdichtdauerndes Untertauchendauerhaft überflutete Einbauten

Was bedeutet IP54?

IP54 ist staubgeschützt und gegen Spritzwasser aus allen Richtungen geschützt. Die 5 an erster Stelle bedeutet nicht staubdicht, sondern staubgeschützt: Staub darf in geringer Menge eindringen, aber nicht in einer Menge, die die Funktion beeinträchtigt. Die 4 an zweiter Stelle steht für Spritzwasser aus jeder Richtung.

Diese Klasse passt für viele Geräte im Innenraum und für geschützte Bereiche im Freien, etwa unter einem Vordach. Für eine Reinigung mit dem Wasserstrahl reicht sie nicht, dafür ist IP65 der Einstieg. Wo mit leitfähigem Staub zu rechnen ist, etwa in der Metallbearbeitung, greift IP54 ebenfalls zu kurz.

Was bedeutet IP65?

IP65 ist staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt. Kein Staub dringt ein. Das Gehäuse hält einem Wasserstrahl aus einer Düse stand, geprüft wird mit 12,5 Litern pro Minute aus 2,5 bis 3 Metern Entfernung.

Das ist die typische Klasse für Anlagen im Außenbereich und für die Industrie, besonders dort, wo regelmäßig gereinigt wird. Wichtig: Strahlwasser ist nicht dasselbe wie Untertauchen. Ein Gehäuse mit IP65 hält dem Strahl stand, wird aber beim Eintauchen undicht, weil es nicht gegen Wasserdruck von außen ausgelegt ist.

Was bedeutet IP67?

IP67 ist staubdicht und übersteht ein zeitweiliges Untertauchen. Der Prüfwert ist in der Norm fest vorgegeben: 30 Minuten in bis zu 1 Meter Tiefe.

Diese Klasse eignet sich für Geräte, die kurz überflutet werden können, etwa Sensoren in bodennaher Einbaulage oder Steckverbinder in Fahrzeugen und Landmaschinen. Nicht enthalten ist der Schutz gegen Strahlwasser. Wer beides braucht, Untertauchen und Hochdruckreinigung, findet im Datenblatt oft die kombinierte Angabe IP66/IP67.

Was bedeutet IP68?

IP68 ist staubdicht und für dauerndes Untertauchen geeignet. Hier gilt eine Besonderheit, die man kennen muss: Die Bedingungen für Tiefe und Dauer legt der Hersteller fest, nicht die Norm.

IP68 ist deshalb nicht bei jedem Gerät gleich. Ein Datenblatt kann IP68 bis 3 Meter über 30 Minuten angeben, ein anderes bis 1,5 Meter dauerhaft. Beide tragen dieselbe Kennzeichnung und meinen Verschiedenes. Prüfen Sie darum immer die genaue Herstellerangabe, die Klasse allein sagt zu wenig.

Worin unterscheiden sich IP67 und IP68?

Beide Klassen sind staubdicht. Der Unterschied liegt in der zweiten Ziffer und damit im Wasserschutz.

IP67 schützt gegen zeitweiliges Untertauchen. Der Prüfwert ist fest. Es sind bis zu 1 Meter Tiefe für 30 Minuten. IP68 schützt gegen dauerndes Untertauchen. Der Prüfwert ist nicht fest. Er richtet sich nach der Angabe des Herstellers und liegt in der Regel über den Werten von IP67.

Ein Gerät mit IP68 erfüllt in der Praxis meist auch IP67. Verlassen Sie sich aber nicht darauf. Wenn beides gebraucht wird, sollte das Datenblatt beide Klassen ausweisen. Für einen dauerhaft überfluteten Einbau ist IP68 die richtige Wahl. Für kurzen Kontakt mit Wasser genügt IP67.

Wann stehen zusätzliche Buchstaben im IP-Code?

Nach den zwei Ziffern kann ein Buchstabe folgen. Er gibt eine Zusatzinformation. Ein zusätzlicher Buchstabe A, B, C oder D beschreibt den Schutz gegen den Zugang zu gefährlichen Teilen genauer, etwa mit Handrücken, Finger, Werkzeug oder Draht.

Ein ergänzender Buchstabe steht für eine besondere Prüfbedingung. H steht für Hochspannungsgeräte. M bedeutet, das Gerät war während der Wasserprüfung in Betrieb. S bedeutet, es war ausgeschaltet. W steht für bestimmte Wetterbedingungen. K verweist auf die Hochdruckprüfung nach ISO 20653. In den meisten Datenblättern reichen die zwei Ziffern. Die Buchstaben tauchen vor allem in speziellen Anwendungen auf.

Schutzart oder Schutzklasse, was ist der Unterschied?

Die beiden Begriffe werden häufig verwechselt, meinen aber Verschiedenes. Die Schutzart beschreibt, was von außen ins Gehäuse gelangt, also Staub und Wasser. Sie wird als IP-Code angegeben. Die Schutzklasse beschreibt, wie das Gerät gegen elektrischen Schlag schützt. Sie wird mit römischen Ziffern angegeben und hat mit Dichtheit nichts zu tun.

SchutzklassePrinzipErkennbar an
IAnschluss an den SchutzleiterSchutzleiterklemme, dreipoliger Stecker
IISchutzisolierung, kein SchutzleiterSymbol mit zwei ineinanderliegenden Quadraten
IIISchutzkleinspannung SELV oder PELVBetrieb an sicher getrennter Kleinspannung

Beide Angaben stehen unabhängig nebeneinander. Ein Gerät kann IP68 tragen und trotzdem Schutzklasse I sein, ein anderes IP20 und Schutzklasse II. Aus der einen Angabe folgt die andere nicht.


Häufige Fragen

Was bedeuten die zwei Ziffern bei IP?
Die erste Ziffer steht für den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung von 0 bis 6. Die zweite Ziffer steht für den Schutz gegen Wasser von 0 bis 9K. Höhere Ziffern bedeuten mehr Schutz.
Was ist der Unterschied zwischen IP67 und IP68?
Beide sind staubdicht. IP67 schützt gegen zeitweiliges Untertauchen bis 1 Meter für 30 Minuten. IP68 schützt gegen dauerndes Untertauchen. Die Bedingungen für IP68 legt der Hersteller fest.
Ist IP68 wasserdicht?
IP68 steht für den höchsten Schutz gegen dauerndes Untertauchen. Wie tief und wie lange ein Gerät dicht bleibt, hängt von der Herstellerangabe ab. Prüfen Sie darum immer das Datenblatt.
Reicht IP54 für den Außenbereich?
IP54 schützt gegen Staub in geringer Menge und gegen Spritzwasser. Für geschützte Bereiche im Freien reicht das oft. Für starken Regen oder direkten Wasserstrahl ist IP65 die bessere Wahl.
Was bedeutet das X im IP-Code?
Das X ersetzt eine nicht geprüfte oder nicht festgelegte Ziffer. IP5X bedeutet, dass nur der Fremdkörperschutz geprüft wurde. IPX7 bedeutet, dass nur der Wasserschutz festgelegt ist.
Was bedeutet IP54?
IP54 ist staubgeschützt und gegen Spritzwasser aus allen Richtungen geschützt. Staub darf in geringer Menge eindringen, solange die Funktion nicht beeinträchtigt wird. Für die Reinigung mit dem Wasserstrahl reicht IP54 nicht aus.
Was bedeutet IP65?
IP65 ist staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt. Kein Staub dringt ein, und das Gehäuse hält einem Wasserstrahl aus einer Düse stand. Untertauchen ist damit nicht abgedeckt, dafür braucht es IP67 oder IP68.
Was bedeutet IP67?
IP67 ist staubdicht und übersteht ein zeitweiliges Untertauchen von 30 Minuten in bis zu 1 Meter Tiefe. Der Prüfwert ist in der Norm festgelegt. Schutz gegen Strahlwasser ist darin nicht enthalten.
Was ist der Unterschied zwischen Schutzart und Schutzklasse?
Die Schutzart beschreibt als IP-Code, was von außen ins Gehäuse gelangt, also Staub und Wasser. Die Schutzklasse beschreibt mit römischen Ziffern, wie das Gerät gegen elektrischen Schlag schützt. Aus der einen Angabe folgt die andere nicht.
Welche IP-Schutzart braucht ein Schaltschrank?
Im trockenen Innenraum genügt oft IP54, im Außenbereich oder bei regelmäßiger Reinigung ist IP65 der Einstieg. Entscheidend sind Einbauort, Reinigungsverfahren und die Art des auftretenden Staubs.

Warum die richtige IP-Schutzart bei Gerätemontage und Baugruppen zählt

In der Gerätemontage entscheidet die IP-Schutzart über die Lebensdauer im Feld. Ein Gerät ist nur so dicht wie seine schwächste Stelle. Oft ist das die Kabeleinführung oder der Steckverbinder. Eine falsch gewählte Dichtung oder eine offene Verschraubung hebt eine hohe IP-Klasse wieder auf. Darum planen wir Kabeleinführung, Steckverbinder und Abdichtung von Anfang an mit.

Bei WATEK montieren wir Geräte und Baugruppen für raue Umgebungen. In der Praxis sehen wir immer wieder, dass eine hohe IP-Klasse nicht am Gehäuse scheitert, sondern an einer schlecht ausgeführten Kabeleinführung. Wir wählen Steckverbinder und Leitungen passend zur geforderten IP-Klasse und prüfen die fertige Einheit. Für die Abdichtung an Übergängen setzen wir dort, wo es sinnvoll ist, auf Schrumpfschlauch. Mehr dazu steht im Ratgeber zum Schrumpfschlauch.

Brauchen Sie eine dichte und geprüfte Einheit für den Außeneinsatz, sehen Sie sich unsere Gerätemontage an. Für komplette Systeme mit mehreren Komponenten passt die Baugruppenfertigung. Die passend abgedichteten Leitungen dazu liefern wir aus der Kabelkonfektion.

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Schicken Sie uns Zeichnung, Muster oder Stückzahl. Wir prüfen Ihre Anforderung und melden uns mit einem Vorschlag.

Thomas Wakolbinger

Thomas Wakolbinger

Geschäftsführer · WATEK Cable GmbH

Thomas Wakolbinger führt die WATEK Cable GmbH in Lambach (Oberösterreich). Mit Hintergrund in der Automatisierungstechnik verantwortet er die Fertigung von Kabelkonfektionen, Gerätemontagen und elektrischen Baugruppen: vom Einzelstück bis zur Serie.

Mehr über uns
Quellen und Normen
  1. IEC 60529, Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code)
  2. EN 60529, europäische Fassung der IEC 60529
  3. DIN EN 60529 (VDE 0470-1), deutsche Fassung, herausgegeben vom VDE
  4. ISO 20653, Straßenfahrzeuge, Schutzarten (IP-Code)
  5. Schutzart, allgemeine Übersicht bei Wikipedia
  6. ÖVE, Österreichischer Verband für Elektrotechnik, nationale Normung

Fachliche Verantwortung: Thomas Wakolbinger, Geschäftsführer WATEK Cable GmbH. Dieser Beitrag dient der Orientierung. Maßgeblich für die Auslegung ist immer die Herstellerangabe und die geltende Norm.